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vetschau/Spreewald

150 Jahre Richard Hellmann

Am heutigen Tage wurde vor 150 Jahren Richard Hellmann geboren, Vetschau´s berühmtester Ehrenbürger. Umfangreiche Recherchen konnten seinen Lebensweg rekonstruieren. 

Hellmann wurde am 22.06.1876 in Vetschau/Schönebegk geboren. Als Sohn des Sattlermeisters Hermann Reinhold und Mutter Emma (Palm) Hellmann erlernte er den Beruf eines Kaufmanns (um 1890) und arbeitete zuerst in Vetschau (bis 1894) und ging über die Stationen Halle, Hamburg nach Bremen. Er bewarb sich dann bei „Crosse & Blackwell“ in London und arbeitete dort in einer Fabrik. Die englische Sprache erlernte er in einer Abendschule. 1902 heiratete er die aus Berlin stammende Theresa Winnegge, ein Jahr später wird ein Sohn, Friedrich Wilhelm Hans Hellmann, geboren. Das Paar trennte sich 1903.
Während seiner Arbeit in London traf er einen Geschäftsmann, der ihm einen Job in San Francisco anbot. Hellmann nahm das Angebot an. 1903 machte er sich auf den Weg mit Zwischenstopp in New York und sah während seines kurzen Aufenthalts das Büro von "Francis H. Leggett Co." In seiner Zeit bei „Crosse & Blackwell“ in London verkaufte er Produkte von Leggett. Er entschied sich dort vorbeizuschauen. Der Vizepräsident bot ihm spontan eine Festeinstellung mit einem Lohn von 9 Dollar/Woche an, die er akzeptierte.
Hellmann lernte in dieser Zeit die deutschstämmige Margaret Vossberg, Tochter eines Delikatesswarenhändlers, kennen, die er 1904 heiratete. Das Paar wohnte West 78th Street in New York. Jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit lief er die Columbus Avenue entlang. Mitte 1905 sah er bei der 490 Columbus Avenue ein leeres Ladengeschäft. Das mieteten sie sich an, eröffneten ihr eigenes Delikatessengeschäft und nannten es „Hellmann's Delicatessen”. Hellmann war damals 29 Jahre alt. Das Geschäft entwickelte sich gut. Eines von den vielen Produkten, die sie verkauften war Mayonnaise. Sie produzierten jeden Tag nur so viel Mayonnaise, wie sie auch verkaufen konnten. Nach einiger Zeit hatte sie so viel Geld angespart, dass sie sich das Geschäft  und das Nebengebäude kaufen konnten. 1907 wurde ihre Tochter, die auch Margaret hieß, geboren.

1911 ging es Hellmann gesundheitlich sehr schlecht. Sein Arzt prophezeite ihm einen frühzeitigen Tod, wenn er nicht weniger arbeiten würde. So entschied er sich, den größten Teil seines Geschäfts zu verkaufen und mit Frau Margaret und Tochter, zur Erholung nach Europa zu reisen. Sie besuchten unter anderem auch Vetschau. In Paris besuchte er seinen alten Bekannten Matt Martinez, den er aus seiner Zeit in London kannte. Er war inzwischen Präsident eines größeren Lebensmittelgeschäfts geworden. Unter anderem verkauften sie Mayonnaise in großen 5-Pfund Holzboxen. 
Im 1. Quartal 1912 erhielten sie die Nachricht, dass der Käufer seines Geschäfts verstorben war. Daraufhin entschieden sie sich nach New York zurückzukehren und das Delikatessengeschäft wieder zurückzukaufen. Auf anraten eines Reiseagenten sollten sie die Titanic bei ihrer Jungfernfahrt nach New York nehmen. Hellmann entschied sich jedoch für ein anderes, kleineres und schnelleres Schiff, das billiger war. Ein paar Tage nach seiner Ankunft erfuhr er vom Untergang der Titanic.

Hellmann wurde gefragt, ob er auch größere Mengen an Mayonnaise anbieten könnte, daraufhin erinnerte er sich an den Besuch bei Martinez in Paris. Er belieferte dann Hotels mit seiner Mayonnaise in einer Galone (3,8 Liter) großen Steinkrügen (die hielt er für hygienischer als Holzboxen). Der Absatz war aber nicht sehr befriedigend. Gleichzeitig begann er an einer neuen Rezeptur zu arbeiten, die die Konsistenz der Mayonnaise verbessern sollte und die Haltbarkeit verlängert. Er fand ein Rezept, mit dem er sehr zufrieden war. Es enthielt Gemüseöl, Essig, rohes Eigelb, Salz, Zucker und Gewürze (für die nächsten 15 Jahre soll er an der Verbesserung der Rezeptur gearbeitet haben). Bei seinen Kunden war diese Mayonnaise sehr beliebt. Bald danach begann er für den Verkauf Glasgläser zu benutzen, etikettierte sie und verkaufte sie auch an andere Lebensmittelgeschäfte. Dadurch stieg der Absatz rasant an. 

Am 1. September 1912 entwarf er das Etikett mit der „Blue Ribbon“ (einer dreifachgeschwungenen blauen Schleife - eine blaue Schleife wurde damals als Auszeichnung benutzt) und bot zwei unterschiedliche Glasgrößen an. 
Hellmann benutzte auch Lieferwagen, die Geschäfte direkt belieferten, damit diese immer die Mayonnaise im Bestand hatten. Diese mussten immer die ganze Lieferung bezahlen, konnten aber nicht verkaufte Ware wieder zurückgeben. Sein Etikett mit den Schleifen lies er sich 1913 patentierten. Im Mai 1914 vereinfachte er sein Etikett auf eine einfache Schleife und wurde dann als "Blue Ribbon Mayonnaise" verkauft. Seine Gläser konnte man übrigens danach gut als Einweckgläser weiter benutzen. Für einen Cent pro Stück gab es die Einweckringe bei Hellmann nachzukaufen.
Die Nachfrage zog weiter stetig an. Er stellte Vertreter ein, die die Mayonnaise überall in New York und Umgebung verkaufen sollten. Ende 1914 war sein Delikatessengeschäft zu klein geworden. Er verkaufte sein Ladengeschäft und eröffnete 1915 eine kleine Mayonnaisefabrik in Manhattan, New York. Eine größere ließ er Ende 1915 in Long Island City bauen. Im Februar 1916 wurde die „Richard Hellmann, Inc.“ gegründet. Er versuchte sich kurzzeitig mit anderen Produkten wie Meerrettich und Pumpernickel Brot. Das wurde aber bald wieder eingestellt und man konzentrierte sich auf die Expansion der Hellmann Mayonnaise. 1919 produzierte John Behrmann in Lizenz die Mayonnaise in Chicago. Im gleichen Jahr wurde sein Sohn Robert Richard geboren. Die Zeitung „New York Tribune“ forderte 1920 drei Küchenchefs auf, verschiedene Salatdressing Marken zu testen und alle stimmten für Hellmann´s Mayonnaise. Das schob noch einmal den Absatz kräftig an. Im Jahr 1920 erhielt Richard Hellmann die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im gleichen Jahr starb seine Frau Margaret. Anfang der 20er Jahren wurde die Mayonnaise in Canada verkauft. Eine weitere größere Fabrik wurde 1922 in Long Island City gebaut. Am 11. Mai 1922 heiratete Hellmann Nina Maxwell (1901-1989), sie war 25 Jahre jünger als er. Mit ihr bekommt er drei weitere Kinder: Raymond (1923-1997), Carol Nina (1930) und June (1934-2000). Während seiner Flitterwochen in San Francisco plante er eine weitere Fabrik, um an der Westküste zu expandieren, dort wird die Mayonnaise unter dem Namen „Best Foods“ verkauft.
Das erste Kochbuch mit Hellmann´s Mayonnaise Rezepten erschien 1922 in Chicago. Zu dieser Zeit war die Mayonnaise unter "Hellmann’s Blue Ribbon Mayonnaise" bekannt.

Mitter der 1920er gab es circa 600 verschiedene Wettbewerber im Mayonnaise Geschäft. Hellmann investierte in moderne Anlagen und Verkaufswege und verbesserte die Konsistenz der Mayonnaise. Das verschaffte ihm Wettbewerbsvorteile. Drei Tonnen pro Stunde konnten Ende der 20er Jahre produziert werden.
Zu der Zeit machte Hellmann 15 Mio. Dollar Umsatz pro Jahr. Im August 1927 entschied er sich das Unternehmen zu verkaufen an die „Postum Foods“ (seit 1929 General Foods, jetziger Eigentümer: Unilever). Gründe für den Verkauf waren sein gesundheitlicher Zustand und die erreichte Größe des Unternehmens. In seinen Memoiren äußert er sich, dass es rückblickend der beste Zeitpunkt war, sich von seinem Unternehmen zu trennen, und es in erfahrene Hände weiterzugeben. 
Die Mayonnaise wurde weiterhin unter der Marke „Best Foods Blue Ribbon“ und „Hellmann´s“ geführt und wird bis heute so in mehr als 60 Ländern verkauft.
Nach dem Verkauf genossen Richard und Ninas ihre neue Freizeit. Er wurde ein engagierter Sprecher in vielen Unternehmensorganisationen, sie wurde ein regionaler Champion im Frauengolf.
1928 besuchte Hellmann spontan Vetschau, übergab dem Bürgermeister 70.000 Reichsmark zur Instandsetzung und Erweiterung einer Turnhalle und dem Anlegen einer Sportanlage mit Tennisplatz (heute Jahnsporthalle). Ein Teil des Betrages sollte einem Sparfonds zugute kommen. Außerdem veranlasste er für seine noch lebende Stiefmutter ein hübsches Wohnhaus zu bauen (Drei-Mädels-Haus, heute Optiker Schmidt). Sein Vermögen wurde zu der Zeit auf 20 Millionen US-Dollar geschätzt.

Richard Hellmann gründete 1929 zwei Stiftungen, eine in den USA, die “Richard Hellmann Foundation”, die andere in seiner Heimatstadt Vetschau, die „Hellmann-Stiftung“. 1954 zog er in ein Seniorenheim nach Connecticut um. Richard Hellmann starb am 3. Februar 1971 im hohen Alter von 94 Jahren. Sein Grab befindet sich in einem Mausoleum auf dem Friedhof in Kensington/New York. Er hinterlässt zwei Söhne, zwei Töchter, 15 Enkelkinder und 7 Urenkel. 

Die Hellmann-Stiftung wurde mit einem Kapital von 1250 Stück Aktien im Wert von 500.000 Reichsmark ausgestattet, die einen jährlichen Gewinn von ca. 40.000 Reichsmark einbringen sollte. Der damalige Jahresetat der Stadt lag bei 48.000 Reichsmark. Aus diesem jährlichen Budget wurden Projekte in Angriff genommen, die ohne die großzügige Zuwendung  nicht möglich gewesen wären, wie die Neugestaltung des Rittersaales 1930, der Bau des Festplatzes (heute Hellmann Platz), die Schaffung einer zentralen Wasserversorgung und ein Schulhausneubau (heute Bürgerhaus). Sein Wohlwollen für seine Heimatstadt war für die Stadtväter Vetschau´s der Grund, ihn am 3. Mai 1929 zum Ehrenbürger zu ernennen. 
Über den Verbleib des Kapitals der Hellmann-Stiftung ist heute nichts mehr bekannt.
Dennoch kann die am 25. Mai 1992 wieder ins Leben gerufene Richard-Hellmann-Stiftung aus den Zinsen des Verkaufs zweier Grundstücke, die er der Stiftung zur Verfügung gestellt hatte, weiterhin soziale Belange unterstützen. Eine Straße und ein Platz wurden nach ihm benannt.